Yoshie Stuckenschmidt-Haras Töpferei

Yoshie hat mit dem Töpfern im Jahre 1973 begonnen, gleich nachdem wir uns kennengelernt hatten. Angeregt durch mein noch neues Interesse an Keramik, sicher aber auf dem festen Fundament ihrer eigenen künstlerischen Veranlagung (sie hatte schon seit langem gezeichnet), besuchte sie einen Einführungskurs des Kulturzentrums der Asahi Shimbun in Nagoya. Dann praktizierte sie wie auch ich im neuen Töpferstudio des Jugendparks Nagakute. Für ihre künftige keramische Ausrichtung war aber die Begegnung mit der Familie des Meisters Yasoji Sasaki in Toki, etwa 40 km von Nagoya entfernt, entscheidend. Dieser wunderbare, leider im Jahre 1993 zu früh verstorbene Mann, hat uns beide wie eigene Kinder in sein Haus aufgenommen, so oft wir Zeit hatten, in die Berge von Toki hinauszufahren. Und auch heute sind wir mit seiner Witwe und seinen Söhnen Shinji und Jiro, die sein Werk weiterführen, herzlich verbunden. Weil sich Yoshie ihnen stilistisch angeschlossen hat, zunächst einige Worte über die Keramik der Familie Sasaki und vieler anderer Töpfer der Minoo-Region, in der sie leben. Wer Kontakt zu ihnen aufnehmen möchte, kann das (auf englisch oder japanisch) über E-Mail unter "zuikou@blk.mmtr.or.jp" tun; und näheren Einblick bietet ihre japanische Homepage: "www.blk.mmtr.or.jp/~zuikou/index.htm". Sie ist gut bebildert, so daß man auch ohne Japanisch-tauglichen PC bzw. Japanischkenntnisse einen Eindruck bekommen kann. Übrigens gelangt man durch sie zur Homepage des ausgezeichneten Keramikmuseums der Präfektur Gifu.

Hier zunächst zwei Arbeiten unserer Freunde Sasaki:

Shino-Teeschale Oribe-Teeschale

In Sasakis imposantem riesigen Bauernhaus im Hida-Takayama-Stil haben wir beide mehrfach unsere Ferien verbracht und in der Werkstatt und beim Brennen des großen dreistufigen Noborigama-Holzofens mitgeholfen. Vor allem Yoshie hat diese Gelegenheit in späteren Jahren, als unsere Kinder größer waren und sie mehr Zeit hatte, so oft wie möglich wahrgenommen.

Dies ist Yoshie an Sasakis Noborigama:

Yoshie an Sasakis Noborigama

Etwas Theorie: die Oribe-Keramik
Ganz anders als die archaische, "herbe" keramische Ausrichtung, die mich so eingenommen hat, ist die Oribe-Keramik wesentlich mehr von der Glasur und vom Dekor bestimmt. Wie die nachfolgenden Beispiele zeigen, wird der Ton nahezu durchgehend von deckenden Glasuren verborgen und tritt entsprechend wenig selbst in Erscheinung. Starke Farbkontraste und geradezu wilde, ins Abstrakte gehende Zeichnungen dominieren. Dabei bleiben die knapp und schwungvoll angedeuteten Motive der Bildelemente dem Themenbereich von Natur und Landleben verbunden, wie es die Teekunst als Kontrast zum eleganten Hofstil des 16. Jahrhunderts so schätzte. Denn in dieser Zeit, auf dem Höhepunkt der Begeisterung für das Teetrinken, war dieser bis heute weitergeführte Sonderstil entstanden, und zwar als Erfindung eines der Generäle am Hof des Shogun, Furuta Oribe, der dem Bildungsideal der Zeit entsprechend selbst ein großer Teemeister war. Man kann sich übrigens den Namen dieser keramischen Richtung leicht daran merken, daß ihre charakteristischste Glasur ein kräftiges Kupfer-Olivgrün ist; und die Oliven und der Name des Generals Oribe sind sich ja zumindest akustisch sehr nahe. Ich habe keinen Zweifel daran, daß der Oribe-Stil im Grunde eine Antwort auf die europäische Kunst war, die damals über die portugiesischen Missionare in Japan bekannt wurde. Wie hätte ich mich wundern sollen, daß meine junge Ehefrau, die sich über mich mit dem Ausland auseinanderzusetzen begann, einen im Grunde so ausländischen und meinem Empfinden nach unjapanischen Stil begrüßte! (Wohingegen ich mich dem archaischsten japanischen Stil zugewandt hatte...)

Während die Werke der Familie Sasaki überwiegend den Vorbildern oder doch zumindest den Musterbüchern der Dekorelemente aus früheren Jahrhunderten folgen, hat Yoshie aufgrund ihrer nur relativ lockeren Bindung an deren Werkstatt und unseren bald darauf erfolgten Umzug nach Deutschland schnell ihren eigenen Stil entwickelt. Wahrscheinlich hat dazu zusätzlich noch ein besonderes Erlebnis beigetragen: Bald nach der Ankunft in Königswinter durfte sie für einige Monate in der Werkstatt von Theo und Katrin Dietz hospitieren, was sie zunächst recht deutlich auf deren sehr deutschen, westerwälder Stil aufmerksam machte. Auf längere Sicht ist ihr - außer unserer Freundschaft mit Katrin und Theo - zumindest eine sichtbare Folge verblieben: Seither arbeitet Yoshie wie alle deutschen Töpfer an einer gegen den Uhrzeigersinn drehenden Scheibe, während ich, der Deutsche, meinen japanischen Vorbildern folgend nur an der im Uhrzeigersinn laufenden Scheibe drehen kann.

Diese Fotos zeigen die Töpferei Dietz am Rheinufer in Königswinter und ein Adventsservice im typischen Dietz-Stil:

Töpferei Dietz Adventsservice Dietz

An dieser Stelle möchte ich noch zwei Links zu den interessanten Homepages anderer Töpferfreunde im Rheinland einfügen: Michael Moses in Meckenheim bei Bonn: www.toepferei-moses.de; und Beate Thiesmeyer und Michael Sälzer in Kaub (gleich neben der Loreley): www.keramix.de

In all den Jahren hat Yoshie zwar überwiegend für den Kreis unserer Freunde getöpfert, und unsere Galerie war sicher der Hauptumsatzort für ihre Werke. Doch hat sie auch eine Reihe von Ausstellungen - einzeln und als Beteiligung - gehabt, so in Bonn, in Braunschweig, in Zwickau, in Tokyo, Nagoya und in Kobe.

Hier folgen nun einige töpferische Arbeiten von Yoshie Stuckenschmidt-Hara, die im Sommer 2000 entstanden sind:

blauweiße Schale Deckeldose Kürbisvase braune Schale vier Teekannen zwei kleine Dosen Teller vier Leuchter