Yoshie Stuckenschmidt-Haras Malerei

Yoshie hat schon als Kind gern gezeichnet und gemalt und hätte wohl gern an einer Kunsthochschule studiert, wenn es ihr möglich gewesen wäre. Tatsächlich ist sie aber erst sehr viel später zum Malen gekommen, als wir schon lange verheiratet und unsere Kinder groß waren. Anders als bei der Töpferei, bei der man auch in kurzen Schaffensaugenblicken Objekte fertigstellen kann (was uns beiden bei unserer ähnlich impulsiven Veranlagung und chronisch knappen Zeit sehr entgegenkam) braucht man dafür ja Ruhe.

Für die Beschäftigung mit "Nihonga", was wörtlich "Japanische Malerei" heißt, hat es bei uns beiden einen besonderen Anstoß gegeben: die Begegnung mit dem wohl berühmtesten Maler Japans, Kaii Higashiyama (1908-1999). Er hatte als erster japanischer Stipendiat des DAAD im Jahre 1934/35 in Berlin studiert und unterstützte die "Vereinigung der Freunde des DAAD in Japan (DAAD Tomo no kai)" seit ihrer Gründung im Jahre 1984 als ihr Ehrenpräsident nachdrücklich. Uns beiden haben Higashiyama-Sensei ("Meister Higashiyama") und seine Gattin die große Ehre erwiesen, uns in unserer Wohnung zu besuchen und uns in ihr Haus und Atelier in Chiba einzuladen. Wie konnte es anders sein, als daß wir uns mit seinem Werk intensiv beschäftigten - Yoshie in dem Maße, selbst in Malkursen des Kulturzentrums der Asahi Shimbun in Tokyo die Grundlagen der Nihonga-Malerei, also der Technik Higashiyamas, zu erlernen.

Sein Bild "Mondlandschaft" (ein Farbholzschnitt) hat in unserem Wohnzimmer einen Ehrenplatz:

Higashiyama Mondlandschaft

"Nihonga" ist ein Sammelbegriff für die Malerei in traditionellen japanischen Techniken und Stilen (im Gegensatz zur westlichen Malerei, "Yoga", speziell zur Ölmalerei, die seit der Öffnung des Landes vor etwa 130 Jahren auch in Japan stark praktiziert wird.) Für Yoshie, und für mich als Bewunderer dieser Kunst, ist Nihonga aber ganz speziell eine der archaischsten Formen der Maltechnik, in der natürliche Farbträger, aus Steinen gemalene Mineralien, in vielen kleinen Porzellanschüsselchen in einer Lösung von Seepflanzen angemischt und dann mit Naturpinseln auf das "Japanpapier" (Washi) aufgetragen werden. Je nach ihrer Konsistenz sind sie mehr oder weniger transparent, wenn Yoshie sie in einer Folge von Arbeitsgängen in Schichten aufträgt. In manchen ihrer Bilder erarbeitet sie zuvor den Maluntergrund aus echten, dünn-gehämmerten Goldblättern. Der Gesamteindruck ist oft ähnlich "herb" (shibui), wie ich ihn auf der Seite "Dierks Töpferei" für die ältesten Richtungen japanischer Keramik erklärt habe. Der goldene Untergrund verstärkt diesen Eindruck durch seinen Kontrast noch. Allerdings hat Yoshie, wie auch die folgenden Beispiele zeigen, die Freiheit genutzt, keiner "Schule" anzugehören und zudem ins deutsche Ausland übergewechselt zu sein. Ihre Bilder unterscheiden sich deutlich von denen aller Maler, die ich kenne, und ich hoffe sehr, daß sie das so Begonnene reich fortsetzen wird.

Hier folgen nun ein Aquarell und drei Nihonga-Bilder von Yoshie, die mir gut gefallen:

Gemüse Johannisbeeren Blumenmond Wild-Enterich