Hanako

Hanako

Hanako war ein "Trollschwein", eine für Tierversuche gezüchtete Kreuzung zwischen südamerikanischem Indioschwein und deutschem Wildschwein. Daß sie wie vom Züchter versichert ein "Minischwein" sei, haben wir nicht lange geglaubt, nachdem wir sie 1988 als Ferkelchen bekommen hatten; das Foto zeigt die Proprotionen. Sie wie einen Hund in unserer Wohnung zu halten, ist uns nicht gelungen, denn gegen ihren Trieb, mit der Nase (das japanische Wort "Hanako" heißt übrigens "Näs-chen") zu graben, und das auch durch die Fußböden und Wände, sind wir nicht angekommen. Im Garten hat Hanako umso lieber geholfen. Wegen unserer ausgedehnten Spaziergänge, meist ohne Leine, waren wir bald in allen Dörfern um Rostingen herum bekannt. Alles dabei drehte sich ums Fressen: Sie kannte bald alle Eichen, Brombeerhecken, die Fundstätten für Streuobst auf den Wiesen und so manches mehr.
Leider hat die Tatsache, daß Hanako einen starken Geschlechtstrieb entwickelte, unserem Zusammenleben schließlich eine Grenze gesetzt. Wir waren nicht darauf vorbereitet, daß Schweine einmal im Monat "rauschig" werden und dabei starkes Bedürfnis nach Ebern haben. Nachdem unsere Hanako also etwa ihr zweites Lebensjahr vollendet hatte, packte sie entsprechend häufig eine solche Unrast, daß sie nicht nur unleidlich wurde, sondern auch auszubrechen suchte. Wir haben es trotzdem fast vier Jahre mit ihr ausgehalten, bis ihr eines Tages der große Coup gelang: Unseren "Hanako-Rausch-Kalender" hatten wir wohl nicht sorgfältig beachtet und merkten ihre übliche Veränderung erst, als sie aus dem Garten verschwunden war - und als vom fast zwei Kilometer entfernten Fußballplatz der Anruf kam, unser Schwein hätte das Turnier unterbrochen. Tatsächlich fanden wir Hanako mitten auf dem Platz unter etwa 40 kräftigen Fußballern, die schockiert mit ihr beschäftigt waren. Denn unser gutes Riesenschweinchen hatte sie mehr oder weniger alle als Ersatzeber anerkannt und damit begonnen, mit "öhssigem" Aufreiten zur Aktion zu fordern. Es war eine Heidenarbeit und brauchte intensiven Einsatz unseres Nachbarn mit seinem Trecker und Anhänger, bis wir Hanako in den Rostinger Hof und in ihren Stall gebracht hatten. Einige Zeit später haben Tomo und ich sie dann unter reichlichem Einsatz von Valium (vom Tierarzt) mit einem gemieteten Kastenwagen nach Kaiserslautern in den Zoo gefahren, wo man sie in etwa zwei wohl für sie paradiesischen Jahren mit einer Überdosis von Äpfeln zu Tode gefüttert hat. Wir haben sie bei unseren Besuchen aufgehen sehen wie einen Pfannkuchen, und eines Tages war sie nicht mehr da.