Dierk Stuckenschmidts Texte

Auf dieser Seite gebe ich Texte wieder, die ich irgendwann geschrieben, kurz (zum Beispiel als Vortrag oder Brief) benutzt habe, oder die noch nicht "veröffentlicht", jedenfalls aber nicht leicht zugänglich sind, von denen ich aber meine, daß sie vielleicht doch jemanden interessieren könnten. Im Internet geht man ja davon aus, daß man unbegrenzt viele Leser erreicht, und da sollte es doch jemanden geben, der... Und wenn nicht, dann habe ich die kleinen Produkte meines Fleißes, meiner Langeweile, meiner Eitelkeit, naja, was immer mich so angtrieben hat, ordentlich ausgestellt und nicht in der Ablage vergammeln lassen. Mir selber machts Spaß, hin und wieder hineinzusehen. Wie wäre ich überrascht, wenn sich plötzlich sogar jemand dazu äußern sollte!

Als erstes mein Rundbrief an alle Freunde zu den Feiertagen und zum Jahr 2001 (geschrieben im Dezember 2000):

Liebe Freunde,
unser Brief zu den Festtagen und zum Jahreswechsel kommt nun wieder aus geordneten Verhältnissen. Der Umzug von Japan nach Deutschland liegt mehr als ein Jahr zurück, und wo wir im Dezember 1999 noch auf Kartons und unsere Baustelle in einer grün-grauen Wüste blickten, sehen wir nun vom neuen Wintergarten unseres Wohnzimmers auf soviel Schönes, daß wir sehr zufrieden sein können. Vor allem Yoshie hat so unendlich viele Blumen gepflanzt, daß ich mit dem Fotografieren gar nicht so nachkam, wie ich es mir vorgenommen hatte. Aber auch da können wir beruhigt zurückblicken, denn das Bildarchiv, das ich als ehemaliger Büromensch gleich ordentlich angelegt habe, ist doch sehr umfangreich und manchmal ansehnlich.
Unsere Energie ist in diesem Jahr tatsächlich auf ganz andere Ziele gerichtet gewesen, als wir es davor gewohnt waren. Seit ich Rentner bin, sind wir mit einem Mal viel häuslicher. Das liegt auch am Alter und an den gesundheitlichen Veränderungen, die das mit sich bringt, aber auch an der Einstellung zu den Dingen. Vor allem im Vergleich mit der Gedankenwelt unserer Kinder merke ich, daß wir ganz anders ausge-richtet sind: nicht mehr zukunftsorientiert, wie es auch der immer voranplanende Beruf erzwang, sondern eher gegenwarts- und auch vergangenheitsbezogen. Das ist gar keine negative Veränderung. Die Vergan-genheit, gerade unsere, ist so reich, und es läßt sich in ihr herrlich spazierengehen. Und die Gegenwart! Sie haben wir früher so vernachlässigt...
Die Gegenwart, unser tägliches Leben, das sehr mit Hof und Garten und mit Essen und Trinken verbunden ist, ist in diesem Jahr auch sehr von Diruka mitbestimmt worden, unserem weißblonden Retriever-Hundchen, das wir vergangene Weihnachten als Gutschein von unseren Kindern geschenkt bekommen und dann schnell über das Internet tatsächlich gefunden hatten. Was hat uns nicht das Leben mit ihr ge-bracht, schon durch den Besuch der Hundeschule, und durch die vielen Spaziergänge, die ich mit ihr im Siebengebirge und in den Feldern um Rostingen genossen habe! Diruka ist ein so schönes und liebes Hundchen geworden, daß uns die Götter unser Glück neiden mußten, denke ich mir; denn seit einigen Wochen ist sie ernstlich erkrankt, und es bedrückt uns sehr, sie langsam weniger werden zu sehen.
Glücklicherweise ist es mit dem anderen Gegenwärtigen deutlich bergauf gegangen. Unsere Söhne Arne und Tomo haben uns und Diruka in unserer Idylle so oft besucht, daß wir uns schon ein wenig in die Rolle von lieben, milden Großeltern eingefühlt haben, obwohl die dafür nötigen Enkel nicht in Sicht sind. Auch von Karen hören wir Positives, obwohl sie sich räumlich noch einen Schritt weiter entfernt hat, seit sie ihrer Laufbahn als Musikmanagerin (jetzt auch als Assistentin eines Dirigenten) in Paris nachgeht. (Hier hilft mir das Zurückträumen in die Vergangenheit, in meine eigene Pariser Studienzeit vor mehr als 40 Jahren, sehr dabei, in der Gegenwart bei ihr zu sein.)
Doch einen deutlich aus der Ruhe herausragenden Höhepunkt hat das Jahr für uns schon gehabt. Das war unsere Israelreise im Frühling. Unsere Freunde Katrin und Theo Dietz haben uns in das Land mitgenommen, in dem sie beide schon gewesen waren und wo sie gute Freunde haben. Ich hatte ja immer gezögert, diese so wichtige Reise zu machen, weil ich nicht wußte, wie ich als Deutscher nach allem in der Generation meiner Eltern Geschehenen mit den Menschen dort sprechen könnte. Aber es hat sich so ganz anders ergeben, und ich bin heute sehr glücklich, daß wir dort waren. Wir hatten zunächst an einer Gruppenreise zu den historisch wichtigen Stätten des Landes teilgenommen - Jerusalem, Bethlehem, Nazareth, Tel Aviv, Haifa, Akko, das Tote Meer, das Jordantal, Jericho und viele andere Orte, die wir natürlich alle längst "gut kannten"), waren dann aber von einem Kibbutz am Mittelmeer aus (ein herrlicher Ruhepunkt) mit einem Leihwagen herumgefahren. Vor allem nach Haifa, um dort die berühmte Töpferin Hanna Charag-Zuntz, heute eine ehrwürdige alte Dame, zu besuchen. Die Tage mit ihr waren ein wunderbares Erlebnis, und es war ein großes Geschenk, ihre Freundlichkeit zu erfahren - nach all dem, was sie erlitten hatte, und von dem sie uns frei erzählte.
Der Aufenthalt in Israel hat mich befreit und bereichert. Ich könnte heute viele Seiten über das Erlebte und Empfundene füllen. Zugleich hat er aber auch die Grundlage zu neuen, jetzt ganz aktuellen Sorgen geschaffen, die mich bei der Beobachtung der seit unserer Rückkehr gewachsenen politischen Spannungen im Lande bedrücken. Daß diese Spannungen auch uns direkt angehen, daran ist kein Zweifel. Israel ist ein Teil Europas, das haben wir unterwegs gesehen; und seine Unruhen spüren wir auch bei uns.
Wie die Israelreise war mir auch ein zweite, bescheidenere Reise von großer Bedeutung: Drei sonnige Junitage lang war ich in Berlin, um dort das 75-jährige Bestehen meines alten Arbeitgebers, des DAAD, mitzufeiern. Was für eine Stadt! Auferstanden aus Ruinen, mehr noch, aus der Teilung, die ich so aktiv miterlebt hatte. Als ich diesmal durch das Brandenburger Tor ging, sah ich mich auch hier wieder in meiner eigenen Vergangenheit, genau gesagt am Samstag vor jenem 13. August 1961, als man noch hindurch konnte, aber schon ahnte, was in der Nacht danach passieren würde; und ich sah mich erneut dort in den Wochen nach dem November 1989, als man wieder hindurch konnte, das Picken der Mauerspechte in den Ohren. Ja, da liegen sie neben mir, die bunten Betonsplitter, die ich damals dort aufgelesen hatte. Diesmal habe ich ein ganzes Album mit digital gesammelten Stücken vom blauen Himmel über dieser schönen Stadt mitgebracht.
Israel und Berlin - beide geben diesem Jahr im Rückblick nun doch einen Hauch von Dynamik. Auch Yoshie, die ich eben in Gedanken nur im Rahmen ihres Gartens gesehen habe, war in Wirklichkeit aktiver. Denn sie ist in diesem Jahr sogar zweimal nach Japan gefahren, um Familiendinge zu regeln; wie habe ich sie beneidet! Ja, und bei der zweiten Reise hat sie gleich ihre ganze Familie mitgebracht, so daß wir eine schöne Woche lang neun Gäste im Haus hatten! Das hat Leben gebracht. Und auch sonst hatten wir viel Besuch, denn wozu sonst hätten wir unsere ländliche Idylle (mit ihren reichen Ausflugsmöglichkeiten ins Siebengebirge, nach Bonn und zum Brühler Schloß und zum Kölner Dom und zur Lorelei) wohl geschaffen, wenn nicht, um sie mit anderen zu teilen...
Dennoch bleibt als Fazit für das Jahr 1999 doch das Gefühl, daß es überwiegend darum ging, Brücken zur Vergangenheit zu schlagen. Dazu gehörte schließlich gegen Jahresende auch meine Funktion, die Ruheständler des DAAD zum diesjährigen Treffen mit dem aktiven Generalsekretär und mit einander und den gemeinsamen Erinnerungen zusammenzubringen. Für mich hatte die Vorbereitung größere Bedeutung als der nette Abend selbst, der daraus entstand; denn nach der langen Abwesenheit in Japan bekam ich nun zum ersten Mal seit langer Zeit wieder Gelegenheit, mit vielen der bis jetzt 75 DAAD-Rentner persönli-chen Kontakt aufzunehmen. Wie bei allem anderen, über das ich nachdenke, wurde mir auch dabei be-wußt, wie sehr unsere Wahrnehmung in den Phasen unseres Lebens von unterschiedlichen Aspekten bestimmt wird. Wie nah waren mir die alten Kolleginnen und Kollegen mit einem Mal, als unsere dienstlichen Funktionen von uns abgefallen und wir nur noch "als Menschen" beisammen waren!
Und schließlich bastele ich nun in einer zeitraubenden Aktion an einer besonderen Brücke, die im primären Sinn aus "Links" besteht - in die Vergangenheit, Gegenwarts, und vielleicht sogar in die Zukunft. Ich bin dabei, eine eigene Homepage zu verfassen. Stücke davon habe ich schon "hinaufgeschickt", und man kann sie unter der Adresse www.rostinger-hof.de "downloaden". Dort kann man uns zusehen, wie wir in unserem Hof und Garten sitzen, in unseren getrennten Töpferwerkstätten arbeiten, unser Brot backen, mit Diruka spazieren, an Japan denken und an den DAAD und an so manches mehr. Stück für Stück wird dieser virtuelle Rostinger Hof weiterwachsen. Und ich bin gespannt, ob seine Entwicklung dem langsamen Dahinschwinden unserer wirklichen Existenz entsprechen - oder ob sich aus ihr nicht eben doch sogar ein reales Aufblühen ergeben wird. Immerhin gehen wir mit der Zeit! Liebe Freunde, so viel von uns! Nur von uns haben wir gesprochen, aber doch immer im Gedanken an Euch alle, Sie alle, die wir in der wirklichen Realität unseres Lebens in diesem Jahr so selten gesehen, in der virtuellen unseres Herzens aber doch oft angetroffen haben. Ich weiß, daß diese Zeilen nur ein schwacher Hinweis auf unsere Verbundenheit sind. Wie schön wäre es, wenn sie die Bande stärken würden. Vielleicht hören wir von Euch, von Ihnen? Vielleicht bringt uns die Zukunft doch wieder häufigere Begegnungen? Wir wünschen es uns. Bitte denkt, denken Sie, manchmal an die Blumen im Rostinger Garten und den blauen Himmel über Berlin, die wir Ihnen heute als virtuelle Weihnachtsgeschenke übermitteln, und auch gelegentlich an uns -
Euch, Ihnen, liebe Freunde wünschen wir frohe und glückliche Festtage und ein gesundes, gutes Jahr 2001!
Dierk und Yoshie Stuckenschmidt

 

Als zweites folgt ein halb-dienstlicher Abschiedsbrief an meine Freunde in Japan, die ehemaligen DAAD-Stipendiaten, die wir seit kurzem unsere "Alumni" nennen. Der japanische DAAD-Freundesverein, DAAD Tomo no kai, hat ihn in seiner Zeitschrift "Echo" 15 (März 2000) abgedruckt. Für mich war er Gelegenheit zu einem abschließenden Rückblick auf 30 Jahre freundschaftlicher Zusammenarbeit mit Japan.

Gruß aus Königswinter

Liebe DAAD-Alumni in Japan!
Seit einigen Monaten lebe ich wieder in Deutschland. Ich bin Ruheständler geworden, Pensionär oder genauer gesagt Rentner. Noch stärker als zuvor habe ich jetzt das Gefühl, zu den "DAAD-Alumni" zu gehören. Denn nicht nur die Zeit, die ich in den Jahren 1964 und 1965 mit einem Stipendium des DAAD an der Harvard-Universität verbracht habe, macht mich zu einem solchen Alumnus. Der DAAD hat mich ja in noch viel direkterer Weise 33 Jahre lang genährt, was auf Lateinisch alere heißt und automatisch dazu führt, daß man ein Alumnus ist.

Zu meiner Überraschung wurde ich gleich nach meinem Eintritt in den Ruhestand von dem noch kleinen Verein der echten DAAD-Rentner zu einem festlichen Abendessen eingeladen. Es herrschte eine sehr vertraute Atmosphäre. Um es Ihnen gleich zu verraten: Außer mir waren da - unter etwa 30 ehemaligen Kolleginnen und Kollegen - auch Frau Marga E. Schmitz und Frau Dr. Beatrix Brandi-Dohrn, meine Vorgängerinnen im Japanreferat des DAAD. Unser gemeinsames Japangedächtnis reichte immerhin gute 45 Jahre zurück. Ich darf Sie alle sehr herzlich von ihnen grüßen. (Leider hat man mich als Jüngsten dieses Vereins gleich zum Sekretär gemacht, der das nächste Treffen vorbereiten muß!).

Meine Frau und ich sind noch immer damit beschäftigt, die Umzugskartons auszupacken und unser Haus einzurichten. Unsere Gedanken kehren häufig nach Japan zurück. Die 13 Jahre, die wir für den DAAD dort verbracht haben, waren eine lange und sehr glückliche Zeit. Wir werden sie nicht vergessen, im Gegenteil: Sie wird uns und unser Leben auch weiterhin prägen. Auch Japan hat uns zu "Alumni" gemacht. Diesmal war Japan selbst die Alma Mater, die Nährmutter. Eigentlich gebraucht man diesen Begriff ja für die Universität, an der man studiert hat, doch man kann ihn sicher auch auf das Gastland anwenden, in dem man wichtige Zeiten verbracht hat. Aber ich denke besonders auch an die Universität Nagoya, oder sogar an alle japanischen Hochschulen, die mir doch auch Nährmütter gewesen sind, und die mich zum Bruder und Verwandten von Ihnen allen, liebe japanische DAAD-Alumni, gemacht haben...

Da bin ich in meiner gefühlvollen Art schon wieder bei meiner Lieblingsidee angelangt, die ich in den letzten Monaten der Tätigkeit in Japan so oft genannt habe: der Idee, daß die DAAD-Alumni eine große Familie seien. Ich möchte auch die Gelegenheit eines Grußes an Sie nicht verbeigehen lassen, ohne diese wichtige Vorstellung zu wiederholen. Lassen Sie mich betonen, daß es mir dabei nicht nur um Worte der Höflichkeit geht. Ich habe viel über den Begriff "Familie" nachgedacht, an die besondere Rolle, die jedes einzelne Mitglied in ihr hat, den Schutz, den sie gewährt, und die Anregungen, die sie vermittelt. Die "Familie" eröffnet jedem zusätzliche Möglichkeiten. Die Grundlage der japanischen DAAD-Familie ist das vom DAAD erleichterte Erlebnis des Studienaufenthalts im anderen Land. Dazu aber braucht es das Zusammenwachsen zu einer verbundenen Gemeinschaft, wie es eine Familie ist. Und das wird nur durch das Bekenntnis der Einzelnen dazu möglich. Wir wissen, daß das ein Denken voraussetzt, das nicht jeder in gleichem Maße schätzt. Vor allem ausgeprägte Individualisten tun sich da schwer. Auch die Vertiefung in die eigene Wissenschaft scheint einer solchen Verbindung manchmal zu widersprechen. Doch ist es nicht gerade für die Wissenschaft von größter Bedeutung, die fachlichen Grenzen durch den Katalysator eines Auslandsstudiums überwinden zu können? Kein Zweifel, daß Mobilität für uns Menschen im Zeitalter der Globalisierung sehr an Bedeutung gewonnen hat. Ersten Rang aber sollte sie für die Angehörigen der Hochschulen haben, die ja den Weg für alles Neue bereiten. Doch bis zu einer überzeugenden "Philosophie des Akademischen Austauschs" ist es noch weit. Das Alumni-Seminar von Kyoto hat dazu vielleicht zusätzliche Anstöße gegeben. Gerade dadurch, daß die persönlichen Meinungen zur vorgegebenen Thematik voneinander zum Teil so deutlich abzuweichen schienen, wurde, so paradox es klingen mag, eine Leitlinie sichtbar. Denn alle Vortragenden und auch die lebhaften Diskutanten waren ja selbst da; sie sprachen fließend miteinander (ich tröste mich immer mit dem Bild: "fließend wie Gebirgsbäche") - in dem für die meisten von uns kennzeichnenden Gemisch aus deutschen und japanischen Sprachteilen. Und sie erreichten ein sichtlich herzliches Einvernehmen. Das war nicht nur am Abend so, als sich der Mond im Schwanenteich spiegelte.

Ich möchte gern noch einmal zitieren, was ich in Kyoto gesagt und auch in den "Blauen Blättern" über den Austausch und seine Alumni geschrieben habe: Die Quintessenz meiner langen Austauscherfahrung ist, daß nicht die Förderungsleistung der Stipendienorganisationen wie DAAD, AvH oder JSPS das Entscheidende ist, sondern deren Fortwirken in der Gemeinschaft der vielen Geförderten. Die wahre Kraft des internationalen akademischen Austauschs liegt in der Summe der Zugewinnanteile der geförderten Persönlichkeiten, im "Mehrwert" ihrer ehemaligen Stipendiaten. Ihnen, liebe Freunde im DAAD Tomo no kai, gebührt das große Verdienst, die Einzelkräfte in Japan füreinander als erste sichtbar gemacht zu haben. Gemeinsam hat die Familie des DAAD Tomo no kai eine Bedeutung erlangt, von der wir, meine Japankolleginnen und -kollegen im DAAD, nicht zu träumen gewagt hätten, als wir uns mit jedem von Ihnen vor langen Jahren über Ihren Deutschlandaufenthalt unterhalten haben.

Die DAAD-Alumni sind nicht; sie werden. Wie ich im Jahre 1984 an den Beginn des deutsch-japanischen Austauschs "vor 30 und vor 50 Jahren" gedacht und das bei der Gründung des DAAD Tomo no kai entstandene Büchlein so benannt habe, so denkt der DAAD heute mit Leichtigkeit an seinen Anfang vor 75 Jahren. Das Jahr 2000 wird auch vom DAAD-Jubiläum geprägt sein. Aber wirkliche Anfänge des Austauschs waren es damals eigentlich nicht. Auch Mori Ogai war ein Alumnus, und nicht erst seit seiner Zeit wächst das Verständnis zwischen unseren Ländern. Neues bildet sich, wird ständig. Dieses Werden nimmt immer mehr Raum und Kraft im Bewußtsein der ins andere Land gereisten Hochschulangehörigen ein, wenn man es pflegt. Ja, das Werden selbst muß gepflegt sein. Erst an zweiter Stelle kommen die zusätzlichen Leistungen der Alumniorganisationen und ihrer Angehörigen, die "Mehrwertfrüchte". Diese aber entstehen wie von selbst und fallen der Menschheit von den Bäumen des Alumniwalds in den Schoß.

Liebe Freunde im DAAD Tomo no kai, verzeihen Sie mir diese Lyrik. Sie kommt von Herzen. Ich wünsche Ihnen allen die Ruhe, die ich bei diesem gedanklichen Spaziergang nach Japan gewonnen habe, damit auch Sie den virtuellen Obstwald um sich wachsen und gedeihen sehen. Goldgelbe Quitten habe ich eben in unserem Garten geerntet...

Ihr Dierk Stuckenschmidt